Wenn das Ständig das Selbst verliert...

Zwei Schritte vor, einen zurück. Bestimmt ist Euch aufgefallen, dass ich Titel und Logo meiner Seite wieder in die ursprüngliche Form gebracht habe. Warum? Josephîn Thérès ist nicht mehr selbstständig. Ich gebe mein Hauptgewerbe auf und gehe als Angestellte arbeiten. Natürlich nähe ich weiter. Wie, in welcher Form und was der Grund dafür ist, lest Ihr hier...

 

1. Selbstständig sein heißt, zeitlos sein

 

Ich weiß nicht, welche Vorstellung manche von Selbstständigkeit haben. Viele denken: Och, die ist den ganzen Tag zuhause, kann sich ausruhen wann sie will, und nebenher stopft sie ein bisschen Wäsche in die Maschine. Und wenn sie Lust hat, näht sie mal zwischendurch. Jo, dachte ich auch. Ich dachte, 20 Stunden die Woche verbringe ich mit meinem Geschäft. Und der Rest reicht für Haushalt, Familie und Freizeit.

Ohne ins Detail gehen zu wollen, sieht die Realität so aus: von morgens bis abends nähen, und die restliche Zeit Buchhaltung, Steuererklärung, Mails, Telefonate, Stoffe und Zubehör recherchieren und einkaufen, Werbung schalten, Kundengespräche bei mir zuhause, Märkte organisieren, Online-Shops füllen und Texte für die Websites ausdenken und schreiben...

 

Typisches Bild: Sonntagnachmittag. Mein Kind braucht mich, mein Mann hatte auch schon ewig nichts mehr von mir. Ich aber hänge an der Nadel, weil ein Auftrag noch bis morgen fertig werden muss. Und er MUSS heute fertig werden, denn ich brauche das Geld und kann nicht noch einmal eine Woche schieben. Die Wäsche türmt sich im Bad, im Wohnzimmer wachsen Sanddünen, das ganze Haus ist vollgestopft mit Verpackungsmaterial, Stoffen und Schneiderpuppen und sieht aus wie die Lagerhalle von Amazon. Nur nicht so ordentlich. Nehme ich mir mal zwei Stunden frei, bin ich gereizt und in Gedanken immer bei meinen Aufträgen. Abschalten is nich.

Komisch. Genau, weil ich so ein Leben nicht mehr wollte, habe ich doch meinen Beruf als Pressesprecherin und Redakteurin quittiert. Hm.

 

Ja, wusste sie das denn nicht schon vorher? Blöd, gell? Da macht sie einen hundertseitigen, professionellen Businessplan, reicht den ein, bespricht alles mit ihrem Existenzgründungsberater, bekommt das Go und ist sich sicher: Das funktioniert! Was einem keiner sagt: Ohne Startkapital und mit Kindern ist die ganze Selbstständigkeit ein Roulette-Spiel. Maschine kaputt - aus. Kind krank - aus. Eltern Pflegefall - aus. Man selbst geht am Stock. Klar, steht in meinem Plan ein riesiges Kapitel über den Fall der Fälle und Risikozuschlag. Nur muss man den auch erst mal finanzieren. Hinterher ist frau immer schlauer. Und trifft auf einmal ganz viele Leidensgenossen, denen es genauso geht. 

 

2. Selbstständig sein heißt zahlen

 

Mal abgesehen davon, dass ich Mathe nicht ab kann, hab ich mich mit Zahlen arrangiert. Schließlich brauche ich sie zum Nähen. Dann gibt es aber auch noch diese anderen Zahlen. Die auf Rechnungen. "Dann näht sie halt ein bisschen, bekommt Geld dafür und macht sich davon ein schönes Leben." Haha. Das tun die ganzen schwarzarbeitenden Nähmuttis, die kein Gewerbe angemeldet haben und die Pumphose für 15 Euro verkaufen (Gruß an dieser Stelle). Wer wirklich selbstständig ist, zahlt sich dumm und dämlich. Hier nur einige Ausgaben, die jeden Monat auf mich zukommen:

  • Krankenkasse. Selbstständige dürfen sich nicht familienversichern. Macht pro Monat 300 bis 400 Euro Beitrag an die Kasse, sonst ist man nicht versichert. Das muss man erst mal reinbekommen.
  • Arbeitslosen-, Krankengeld-, Rentenversicherung. Was ist das? Kein Geld dafür da, Also leben wir ohne. No risk, no fun.
  • Verpackungslizenz, Textilkennzeichnung, wasserdichte Rechtstexte... Ja, Ihr habt richtig gelesen. Wer verkaufte Sachen verschicken will, muss zusätzlich zur Verpackung an sich auch noch eine Lizenz kaufen, damit er überhaupt verpackt verschicken darf. Außerdem muss Genähtes gekennzeichnet sein. Es gibt ganz bestimmte Vorschriften, was auf einem fest mit dem Teil verbundenen Etikett stehen muss. Unter anderem die komplette Adresse des Herstellers. Habt Ihr das gewusst? Von der CE-Kennzeichnung für selbst hergestelltes Spielzeug ganz zu schweigen. Wir brauchen also professionell gedruckte Label. Am besten, für jedes genähte Stück ein neues, denn wir nähen ja nicht alles aus 95% Baumwolle/ 5% Elasthan, oder?!
  • Wer online verkauft, muss auf seiner Seite ein Impressum, AGB, Datenschutz- und Widerrufserklärung mit Formular etc. pp zur Verfügung stellen. Das lässt man am besten beim Anwalt verfassen, denn immer wieder machen sich spitzfindige Gemüter auf, nach Fehlern zu schnüffeln, die sie dann abmahnen. Und das kann in die Tausende gehen. Also: Kanzlei beauftragen, zahlen.
  • Website, Logo, Corporate Identity, professionelle Fotos, Flyer, Visitenkarten: Ich habe dieses Jahr über 1000 Euro ausgegeben für all dies, und dabei habe ich meine Website samt Shop alleine gebaut. Wer professionell auftreten möchte, muss investieren.
  • Klar bekomme ich als Gewerbetreibende Stoffe und Materialien zu Einkaufspreisen. Dafür muss ich dann aber auch immer mindestens einen 8-.Meter-Ballen abnehmen. Oder der Rabatt beträgt für mich auch nur 10%, was sich kaum rechnet. Zudem lege ich Wert auf hochwertige Stoffe. Und die bekommt man eben nicht für 5 Euro den Meter. Jeder Stoff braucht sein passendes Garn (für die Overlock-Maschine mal vier plus zwei Rollen für die normale Maschine), passende Nadeln, alle paar Wochen eine gute Schneiderschere - den ganzen andern Kram, den Ihr bei einem fertigen Stück nicht wahrnehmt  wie Einlagen, verdeckte Reißverschlüsse, Knöpfe, Bänder, Bordüren lass ich jetzt mal weg. Und wer bezahlt eigentlich den Strom für Bügeleisen und Licht, Patronen und Papier für den Drucker, den PC fürs Büro, die Telefonrechnung, das Benzin fürs Auto, die Tonnen an Kaffee und Schokolade für die Nachtarbeit?

Ich könnte hier noch viel mehr aufzählen. Aber ich denke, das reicht, um Euch zu zeigen, dass selbstständig Nähen kein Zuckerschlecken ist.

 

3. Selbstständig sein heißt, eine Zielgruppe zu haben

 

Was nützt das schönste Kleid, wenn es niemand kaufen will? Klar, kann ich es mir in die Vitrine hängen und jeden Tag Stunden glückselig anschmachten. Aber was zu essen kann ich meiner Familie davon nicht kaufen. Es muss also was her, was die Leute da draußen auch wollen. Eine Zielgruppe zu finden, ist schwer. Es gibt sehr gute Online-Tools, die per Multiple Choice herausfinden, was gerade in ist und welche Bevölkerungsschicht für was Geld ausgibt. Nur: Will ich das dann wirklich nähen? Und wenn ich das nähe, was die Reichen wollen, kaufen sie es dann auch garantiert? Und wo bleiben all die anderen? Auf der Strecke? Und wenn der Wind sich dreht, ist meine neue Kollektion hinfällig und tausende Euro verstauben in der Mottenkiste. Aber der allerwichtigste Punkt: Wo bleibt meine eigene Kreativität, mein Stil, wenn ich nur für eine Zielgruppe produziere?

 

4. Selbstständig sein heißt, nicht wertgeschätzt zu werden

 

Vor kurzem habe ich eine Umfrage unter Freunden gestartet, was ihnen ein selbst genähter, mit Bordüren und Schnickschnack geschmückter, aus hochwertigen Biostoffen und maßgeschneiderter Hoodie wert ist. Die Antworten haben mich schockiert. Sie reichten von 30 bis 70 Euro. Für 30 Euro habe ich gerade mal das Material zusammen, gerade für Größen jenseits der 34. Von einem Stundenlohn über 10 Euro ganz zu schweigen. Viele machen keinen Unterschied zwischen H&M und Dawanda. Warum soll etwas mehr kosten, wenn sie es woanders für zehn Euro bekommen?

Ich rede mir den Mund fusslig, dass solche Dumping-Preise nur mit blutenden Kinderhänden und Schwarzarbeit zu bezahlen sind - garniert mit einem leckeren Giftcocktail, den die Stoffe auch nach dem Kauf in Billigläden noch intus haben. Trotzdem ist ein Teil, was all das nicht hat, nicht mehr wert.

 

Natürlich gibt es auch Leute, die für Qualität Geld ausgeben. Aber so viele sind das heute nicht mehr. Wer gerade ein Haus baut, ein Auto abbezahlt, den Job verloren hat oder drei Kinder durchfüttern muss, kann sich ein Kleid für für 100 Euro nicht leisten. Wer kann es ihm verdenken!

 

5. Selbstständig sein heißt, zu nerven

 

Wer was verkauft, muss die Werbetrommel rühren. Das war schon immer so und ist für mich als PR-Frau eigentlich kein Problem. Ein Problem allerdings ist, dass heute Facebook und Instagram die Orte sind, an denen man die meisten potenziellen Käufer erreicht. Das sagt natürlich niemand, wenn er mal wieder etwas postet. Aber im Grunde hoffen alle, dass dieses Kleid, dieses Schnittmuster, dieses handgeschnitzte Herz auf dem Foto so toll ist, dass es auch gekauft wird. Nun könnte man sagen: Ha, dann mach das halt einfach. Leider ist es gar nicht einfach. Facebook zum Beispiel hat einen so cleveren Algorithmus eingebaut, dass es Posts von gewerblichen Seiten disst. Heißt: Wer sichtbar sein will, muss Kohle zahlen und seinen Beitrag sponsern. Oder möglichst oft teilen. Und viele Kommentare und Likes dafür bekommen, damit der Post sichtbar wird und eine hohe Reichweite hat. Es ist mir zuwider. Ich zeige Euch gerne Sachen, weil ich stolz darauf bin. Und ich teile gerne Sachen in Gruppen, weil sie anderen vielleicht Inspiration sind. Aber ich mag nicht mehr jede Woche zahllose Posts schreiben und vordatieren und das komplette FB zuspammen, nur damit mein Geschäft sichtbar bleibt. Es stresst mich, und es nervt Euch.

 

6. Selbstständig sein heißt, sein Herz zu verlieren

 

Ich spreche für mich. In den vergangenen Monaten habe ich einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Ich kann heute alles nähen. Vom Badeanzug mit Lichtschutzfaktor bis zum maßgeschneiderten Brautkleid. Die Idee (und auch, um die zu finden, habe ich viel Geld an einen Berater gezahlt!) war, jedem sein Lieblingskleid auf den Leib zu schneidern. Und dabei professionell aufzutreten. Immer noch eine wunderbare Idee, und wenn ich könnte, würde ich das auch weiter tun! Aber: Jedem SEIN Lieblingskleid zu schneidern, heißt nicht unbedingt, dass es auch MEINS ist. Mit der Zeit habe ich gemerkt, wie es mir immer schwerer fällt, das zu nähen, was andere wollen. Und ganz schlimm war, wenn jemand mit einem Foto aus dem Internet kam und eine exakte Kopie davon forderte. Und dann stehst Du  da und weißt, wenn Du das ablehnst, hast Du nächsten Monat nix zu essen. Viele von Euch fanden das toll und haben mein neues Auftreten sehr gelobt. Ich selbst war ja ganz begeistert! Aber genauso viele waren irritiert. Sie zogen sich zurück und fragten: Wo ist unsere Patricia geblieben? Wo sind die Sachen, in denen Dein Herzblut steckt?

Vorgestern hatte ich eine Krise. Ja, so richtig. Mit Heulen und Rückenschmerzen und Depris. Ich wollte meiner lieben Nachbarin einen Mantel nähen. Ich weiß, sie hat es nicht einfach, was Passendes zu finden, und ich wollte ihr unbedingt helfen. Seit Wochen liegt das (teure) Material für den Mantel hier. Aber ich kann ihn nicht anfangen. Ich weiß genau, wie es geht, und dass er wohl an zwei Tagen fertig sein wird. Aber ich bin wie gelähmt. Ich habe meinen Mann und meine Freunde (und auch meine liebe Nachbarin) gefragt, was ich tun soll. Schließlich verdiene ich auch mit diesem Mantel meinen Lebensunterhalt. Wir haben lange gesprochen, sie haben mich in den Arm genommen, mich getröstet, mir das Gefühl zu versagen genommen und gesagt; "Mach einen Cut. Finde Dich selbst wieder."

 

Und da bin ich nun. So hoch geflogen und so tief gefallen. Es ist so ein bisschen wie in einer Erzählung meiner Lieblingsautorin Ingeborg Bachmann, Das 30. Jahr. (Na, meine Deutsch-LK-Leidensgenossinnen, welche Szene meine ich wohl? 😉). Da saugt sie alles Wissen in sich auf, sitzt Stunden in der Nationalbibliothek, und kurz bevor sie die völlige Erkenntnis hat, verbrennt sie sich. Oh. Ein bisschen theatralisch. Aber passend.

 

Es wird Zeit, mich zu suchen. Einen Schritt zurückzutreten. Mein Herzblut wieder zu finden,

Natürlich nähe ich weiter. Und Ihr könnt auch weiter meine Sachen kaufen, denn mein Label bleibt im Nebengewerbe angemeldet.

Nur mich dabei verlieren, Das will ich nicht mehr.

 

Passt auf Euch auf! Von Herzen, Patricia

 

 

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Kommentare: 23
  • #1

    Isi (Freitag, 10 November 2017 11:26)

    Liebe Patricia
    Hinter deinen Worten steckt soviel Wahrheit, alles würde ich genauso unterschreiben. Ich habe das Glück, nicht vom Gewerbe abhängig zu sein, also das was ich nicht mehr machen möchte auch nicht zu machen.
    Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft, Mit die geht eine wundervolle Schneiderin verloren <3
    liebe Grüße
    Isi

  • #2

    Rebecca (Freitag, 10 November 2017 12:42)

    Du sprichst mir aus der Seele .
    Es ist schade aber manchmal muss man diesen Weg einfach gehen um nicht auf der Strecke zu bleiben .
    Ich bewundere dich für deinen Mut und danke dir für deine ehrlichen Worte ��

    Alles Gute für dich ❤️

  • #3

    Martina (Freitag, 10 November 2017 12:56)

    Hallo Patricia,

    ich kann Dich sooooo gut verstehen. Ich mache ja Stickdateien und bekomme immer mal wieder fragen wie...mach doch mal sowas, oder das hier finden auch viele toll. Ich habe jetzt beschlossen.... ich mache nur noch was mir auch Spaß macht und alleine mit dieser Entscheidung, ging es mir schon viel besser. Ich versteh Dich guuuut :-)

    Liebe Grüße von Martina

  • #4

    Claudia P. (Freitag, 10 November 2017 13:04)

    Liebe Patricia, ich kann dich so gut verstehen. Du hast keinesfalls Versagt, im Gegenteil, Du weißt jetzt was du garantiert nicht mehr willst. Das ist Goldwert!
    Es ist völlig normal, dass Durchschnitts Konsumenten einen Hoodie in dieser Preisklasse einstufen, aber das liegt nicht an dir oder deiner Arbeit, das liegt an der Geiz-ist-Geil Mentalität und an den “Großen“ Konzernen die für die Kunden billig produzieren, somit haben die die Kunden zu “billig“ Konsumenten erzogen.
    Und wie jede Erziehung gilt... einmal drin dauert es bis das wieder raus ist.
    Ich wünsche Dir von Herzen, dass du findest was du suchst.
    Alles Liebe
    Claudia

  • #5

    Tanja (Freitag, 10 November 2017 13:09)

    Ich danke dir von Herzen für diesen Beitrag!
    Ich finde mich in jeder Zeile wieder. Auch ich gebe meinen Traum und mein Gewerbe auf, weil ich und meine Familie auf der Strecke bleiben. Die Entscheidung tut weh, aber sie ist auch befreiend. Ich bin sicher, dass es dir auch so geht.
    Danke für diese ehrlichen Worte!
    Alles Gute für dich und viele neue Träume!

  • #6

    stefanie (Freitag, 10 November 2017 13:38)

    Du sprichst mir aus der Seele...alles gute für dich!

  • #7

    Tanja Kolar - Kreativ mit Tanja (Freitag, 10 November 2017 13:40)

    Hallo Patricia.
    Was soll ich sagen? Auch wenn ich nicht aus der Nähbranche komme, fand ich mich in Deinem Artikel z. T. wieder.
    Man tut, macht, und rödelt.. und am Ende bleibt die Unruhe nicht genug getan zu haben, nicht für andere... geschweige denn, für mich selbst. Selbständig sein, heißt nicht um sonst: selbst und ständig.
    Man investiert, damit es auch nach außen hin perfekt aussieht, man erzählt nur das postive, denn das andere wollen die Leser nicht "hören".
    Dann gibt es die Damen, die einem mit Dumpingpreisen, %ten und ettlichen Zugaben, das eigene selbstständige Leben sehr schwer machen. Folge: Zugzwang.. was ich eigentlich nicht möchte und rein theoretisch nicht müsste.
    Gott-sei-dank ist der Teil mit der auf der Strecke bleibenden Familie bei mir noch nicht so. Da kann ich zum Glück die Balance halten.
    Meine Sinnkrise hatte ich von Mitte letzten Jahres, bis diesen Sommer. Danach habe ich beschlossen, daß sich etwas ändern muss.. Kein schauen rechts und links, wie andere es machen. Ich musste wieder zu mir selber finden, um meine Freude am basteln ( meine eigentliche Passion) wiederzufinden.
    Ich danke Dir von Herzen für Deinen Artikel.
    Bleib bei DIR und folge DEINEM Herzen, Und wenn das aufgeben der Selbstständigkeit Dir hilft, wieder Freude bei dem zu empfinden, was Du machst, dann war es der richtige Schritt.
    Ausserdem ist sowas ja keine absolut endgültige Entscheidung, denn Du könntest jederzeit wieder starten. So leuchtet das Ganze schon wieder in einem positiveren Licht.
    Mein Motto in solchen Situationen ist immer:
    "Ziehe das Positive aus dem Negativen!"
    Diese Sichtweise hilft ungemein.
    Wünsche Dir alles Gute
    LG Tanja

  • #8

    Kerstin (Freitag, 10 November 2017 13:55)

    Sehr gute Entscheidung. Ich habe nach 8 Jahren Selbstständigkeit unseren Familienbetrieb geschlossen. Der bestand da schon 42 Jahre! Und es war die beste Entscheidung. Jetzt habe ich mit 43 nochmal Nachwuchs bekommen und das erste Mal im Leben Zeit. Viel Glück

  • #9

    Antje (Freitag, 10 November 2017 14:06)

    Sehr schön geschrieben,
    Ich drücke Dir die Daumen, dass Du Dich wiederfindest und vor allem Spass und Freude findest an dem was Du tust. Mir geht es ähnlich, ich nähe im Nebenerwerb, aber nur mit mäßigem Erfolg, da zu wenig Zeit, daher mache ich kaum Werbung, weil ich Angst habe es dann gar nicht mehr zu schaffen. Ausserdem habe noch meinen sicheren Job. Beides fast nicht möglich. Und immer wieder der Gedanke, wenn ich erfolgreich wäre, macht mir dann das Nähen noch Spass? Wenn ich eine Nische finde, will ich ständig das selbe nähen?

    ganz liebe Grüße
    Antje

  • #10

    Ines (Freitag, 10 November 2017 14:48)

    Wie wahr... Schicke eine Umarmung ;-)

  • #11

    Jessi (Freitag, 10 November 2017 15:12)

    Liebe Patricia,

    Schöner Beitrag!
    Die Dumping-Preise sind so unrealistisch, wenn man sich selbstständig gut absichern möchte. Man läuft so vielen Menschen über den Weg, die ALLES für NICHTS haben möchten und denen man fast aufzählen muss, was für Nebenkosten die Selbstständigkeit mit sich bringt. Wirklich schade!
    Vielleicht sind aber nebenbei die Online-Shops für dich das Richtige? Denn dann kannst du nur noch produzieren was du möchtest und die, denen es gefällt, kaufen es gerne :-)

  • #12

    Elfi (Freitag, 10 November 2017 15:21)

    Liebe Patricia, ich denke, du hast rechtzeitig für dich und deine Familie die Reißleine gezogen! und das verdient den allergrößten Respekt, BEVOR du einen Burnout bekommst und nichts mehr selbst regeln kannst, weil dir dann die Kraft dafür gefehlt hätte. In Deutschland selbständig zu sein (egal in welcher Richtung) ist mittlerweile nur noch unter großem Aufwand möglich. Du hast sehr detailliert geschrieben, WAS alles beachtet werden muss, damit man keine Abmahnung etc. kassiert. Ich finde das schlimm, auch dass die Politik das zulässt, dass Anwälte sich auf Kosten anderer die Kippen vollmachen oder dass man als Selbstständige(r) soviel Krankenkassenbeitrag zahlen muss, weil die Einnahme einfach von einem zum Teil nicht zu realisierenden Mindesteinkommen ausgeht. Viele landen daher nach der Selbständigkeit sofort in ALG 2, Ich hoffe, du hast eine starke und intakte Familie, die dich auffängt und dir bei der weiteren Lebensplanung aktiv zur Seite steht. Das ist wie so Vieles andere auch, nämlich auch nicht selbstverständlich!!
    Ich wünsche dir für die Zukunft alles erdenklich Gute !!!
    Liebe Grüße
    Elfi

  • #13

    Doris (Freitag, 10 November 2017 16:26)

    Hallo Du, eigentlich kenne ich Dich nicht, keine Deiner Sachen, bin nur durch absoluten Zufall auf Deinen Text gestoßen, habe fürs Nähen so gar kein �, werde es wohl auch nie bekommen, bin eine dreifach Mutti, die sich tatsächlich kein selbstgenähntes Kleid für 100 Euro leisten kann und daher auch ab und an leider die schrecklich blutenden Kinderhände unterstützt, aber ich fand Deinen Text so wunderschön ehrlich, offen und hemmungslos, dass ich Dir auf diesem Wege unbekannter Weise viel Glück, Zeit, Erfolg und Liebe Deiner Lieben wünsche!

  • #14

    Sina (Freitag, 10 November 2017 17:08)

    Selbständig zu sein, bedeutet heutzutage leider in vielen Branchen, zu Dumpingpreisen arbeiten zu müssen, um überhaupt Auftraggeber zu bekommen. Also nicht nur im Nähgewerbe. Deutschland ist mittlerweile ein Niedriglohnland, wer das noch nicht weiß. Egal ob im Büro, oder anderswo. Selbst als Studierte/r gibt es nicht mehr Geld! Maximal 20 Euro Stundenlohn sind normal, davon ist dann alles zu bezahlen: Krankenkasse, Steuern, Versicherungen, Autokosten/Fahrtkosten, kompletter Lebensunterhalt wie Miete, Nk, Lebensmittel, Kleidung, Telefon etc., sowie sämtliche Betriebsausgaben und noch vieles mehr! Was da übrig bleibt? Nix! Meist muss so eine Selbständigkeit sogar noch unterstützt werden und man muss Hilfe zum Lebensunterhalt beantragen. Sehr traurig! Und das, obwohl man von morgens bis nachts arbeitet und schuftet. In einem reichen Land wie Deutschland kaum vorstellbar. Verdienen tun meist andere an dir, man selbst bleibt oft auf der Strecke.

  • #15

    Jenni (Freitag, 10 November 2017 20:40)

    Liebe Patricia. Danke für deine Worte!! Das Nähgeschäft ist hart, sehr hart! ich habe mein Gewebe erst seit diesem Jahr, stehe klar noch am Anfang. Nun stehen Märkte an, die Weihnachtszeit und ab Januar erhöhe ich meine Stunden in der Physiopraxis... ich bin gespannt... im Februar werde ich ein Fazit ziehen, und entweder weiter machen oder nur noch für mich und meine kleine nähen! Es ist toll das du mal alles aufzeigst was so dahinter steckt! es ist mehr als nur Nähen! Fühl dich gedrückt! Jenni von Bepuscht&Zugenäht

  • #16

    Creadori (Samstag, 11 November 2017 06:51)

    Wahre Worte. Ich überlege schon seit Monaten: Aufgeben? Weitermachen? Kann doch nicht alles umsonst gewesen sein die ganze Arbeit bis hierhin... LG

  • #17

    Hany (Samstag, 11 November 2017 12:59)

    Hallo Liebe Patricia

    Das kann ich gut nachvollziehen ich wollte auch mein Traum leben . Ich häkle Sachen die mir gefallen, Habe meine Gewerbe neben Karenz angefangen und gehofft das ich wann meine Karenz zu Ende ist daraus leben kann. Kann ich aber nicht ,ist nicht so gut gelaufen. Ich mache es weiter als Kleingewerbe und bin dabei auf dem Job suche.15-20 stunden und meine Handarbeit muss ich zurück stufen.

  • #18

    Christina (Samstag, 11 November 2017 15:06)

    Da fließen gerade einige Tränen bei mir! Bin auch kurz vorm Aufgeben, dabei hab ich mich selbstständig gemacht, um das zu tun, was ich wirklich liiiiebe - das kreative Nähen. Aber viel Zeit und Kraft für Kreativität habe ich leider nicht, da mich die Kosten & Pflichten auffressen. Jeder Satz, den du da geschrieben hast, hätte von mir sein können. Ich will noch nicht aufgeben, obwohl ich jetzt schon merke, dass es für meine Kinder, meine Ehe, meinen Magen, mein Konto, meine Gesundheit etc.... das Beste wäre�

  • #19

    Kriss (Samstag, 11 November 2017 17:25)

    Ein wundervoll geschriebener, aber wirklich trauriger Beitrag. Ich wünsche Dir alles Gute, und, dass Du ganz bald dein Selbst wieder findest!

  • #20

    Elisa (Sonntag, 12 November 2017 13:27)

    Liebe Patricia,
    es ist verrückt. Meine Bereiche sind PR, Content und Redaktion. Ich würde auch lieber beruflich nähen, hab den Schritt aber nie gewagt. Die Gründe hast du alle genannt. Und erst gestern war der Tag meines Zusammenbruchs. Falls es dich interessiert: ich hab ihn mir auf meiner Facebook-Seite von der Seele geschrieben. www.facebook.com/sanchoponcho27/
    Ich bin ganz bei dir und sende dir eine virtuelle Umarmung,
    deine Elisa

  • #21

    Susi (Dienstag, 14 November 2017 10:35)

    Danke für die Ausführung.
    Manchmal heißt mutig sein auch, Entscheidungen zu treffen, die man sich nicht wünscht. Viel Erfolg weiterhin mit der Näherei - aber dann eben als Ausgleich zum Job.
    Veilchengrüße!

  • #22

    Juliani (Dienstag, 14 November 2017 14:35)

    wunderbar geschrieben!!!

  • #23

    Patricia (Sonntag, 26 November 2017 11:24)

    Ihr Lieben!
    Ich danke Euch allen sehr für Eure mutmachenden Worte und dass Ihr Euch Zeit genommen habt, meine Zeilen zu lesen. Es ist wirklich erstaunlich, wie vielen es wie mir geht - und so schade, da es so viele wunderbare Menschen ausbremst �
    Ich drücke Euch alle ganz fest!
    Eure Patricia